Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Wissenschaft & Kirche über ihre Gründe für das Deserteursdenkmal [bitte aufs Bild klicken]

Es ist soweit. Auf Seite 52 des rot-grünen Regierungsübereinkommens» findet sich im Abschnitt »Verantwortungsvoller Umgang mit der Vergangenheit« unter anderem folgende Maßnahme angekündigt: »Errichtung eines Mahnmals für Deserteure«. Das Personen- komitee »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz« betrachtet es als seine Aufgabe, diese politische Absichtserklärung mit Leben zu erfüllen, auf deren rasche Umsetzung zu drängen und den Prozess mit inhaltlicher Expertise und konzeptuellen Vorschlägen zu begleiten und zu fördern.









Franziska Jägerstätter ist am 16. März gestorben



Im Alter von 100 Jahren starb in St. Radegund (Oberösterreich) die Witwe des wohl bekanntesten Kriegsdienstverweigerers der Wehrmacht, Franz Jägerstätter, den die NS-Militärjustiz am 9. August 1943 im Zuchthaus Brandburg-Görden hinrichten ließ. Der Landwirt hatte sich aus Gewissensgründen entschieden, nicht für die Wehrmacht kämpfen zu wollen. Er hielt Christentum und Nationalsozialismus für nicht vereinbar. Franziska Jägerstätter (geborene Schwaninger) hatte ihren Mann trotz aller Schwierigkeiten, die dies auch für die drei gemeinsamen Kinder mit sich brachte, gegen Anfeindungen auch aus ihrem unmittelbaren Umfeld stets verteidigt – auch noch nach dem am 6. Juli 1943 durch das Reichskriegsgericht in Berlin ausgesprochenen Todesurteil.

Franz Jägerstätters Weigerung, in einem verbrecherischen Krieg zu dienen, blieb auch viele Jahre nach Kriegsende in Österreich umstritten. Selbst religiös motivierte Kriegsdienstverweigerung erkannte die Republik bis vor Kurzem nicht als politischen Widerstand gegen das NS-Regime an, und dies obwohl solches Handeln aus Sicht der Nationalsozialisten in hohem Maße als politisch galt. Franziska Jägerstätter erhielt deshalb von der Republik Österreich auch keine Leistungen nach der Opferfürsorge; dies ein Umstand, der in den soeben erschienenen zahlreichen Nachrufen auf die Verstorbene ebenso wenig Erwähnung findet wie eine Erklärung für die Merkwürdigkeit, dass es ein deutsches Gericht war, das das Todesurteil gegen Jägerstätter am 5. Mai 1997 aufhob.

2007 wurde Franz Jägerstätter im Linzer Mariendom seliggesprochen. Für ihren Einsatz, die Erinnerung an ihren Mann und sein Handeln wach zu halten, erhielt Franziska Jägerstätter unter anderem das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich. Zudem widmeten sich ihr mehrere Theaterprojekte und auch ein 2007 ausgestrahltes Film-Porträt.

 

 

DREI ASPEKTE
SIND FÜR UNS ZENTRAL:

I.  Erstens soll das Deserteursdenkmal
ein Ort des mahnenden Erinnerns sein.

Hier gedenken wir jener mutiger Frauen und Männer, die sich der Verfolgung durch die Wehrmachtsjustiz widersetzten und dafür vielfach mit dem Tod bezahlten.

II. Zweitens soll das Deserteursdenkmal neben dieser emotionalen Dimension historische Informationen zur Verfolgung in Wien bereit stellen. 

III. Drittens soll das Deserteursdenkmal ein Ort der Begegnung und des Dialogs sein.


Ein Ort, der zum Verweilen einlädt, ein Ort der Intervention in den öffentlichen Raum. Ein solcher Platz muss zentral gelegen sein und Bezüge zu den historischen Orten der Verfolgung in den Wiener Bezirken bieten. Wien war neben Berlin, Hamburg oder Torgau eines der Zentren der Verfolgung durch die Wehrmachtsjustiz.