Fehlendes Gedenken



Bis heute gibt es in Österreich keinen Ort, an dem in angemessener Form die Leiden und Handlungen derjenigen Männer und Frauen erinnert und gewürdigt werden, die von der NS-Militärjustiz verurteilt wurden.


Die meisten der vorgestellten Denkmalsinitiativen sind einzelnen Akteuren gewidmet, beziehen sich also nicht auf das Gruppenschicksal der Verfolgten; einige Denkmäler erwähnen nicht einmal, dass es sich bei den genannten Personen um Opfer deutscher Militärgerichte ging; andere Initiativen konnten nicht erfolgreich zu Ende geführt werden oder waren von vornherein nur als temporäre Aktionen geplant.

Vergessene Opfer

Die mit Abstand größte Zahl an Denkmälern, die heute in Österreich an den Zweiten Weltkrieg erinnern, sind Kriegerdenkmale. Dieses »Heldengedenken« schließt die Erinnerung an die Opfer der NS-Militärjustiz noch immer aus. Denkmalsinitiativen scheitern bis heute immer wieder an Institutionen und Akteuren, die Österreich nach 1938 als Opfer nationalsozialistischer Politik sehen und gleichzeitig den besonderen Charakter des Zweiten Weltkriegs als Angriffs- und Vernichtungskrieg verleugnen. Viel zu wenig ist über lokale Initiativen zur öffentlichen Rehabilitierung der Deserteure bekannt; deshalb kann diese Aufzählung auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Sollten Sie weitere Gedenkorte oder -initiativen kennen, die sich Deserteuren, Kriegsdienstverweigerern, »Wehrkraftzersetzern«, »Selbstverstümmlern« oder Hoch- und Landesverrätern im weitesten Sinne widmen, freuen wir uns sehr über Informationen!                                                         So treten Sie mit uns in Kontakt »



Bregenz (Vorarlberg)

Seit November 2010 erinnert eine Stele des Künstlers Georg Vith an den katholischen Kriegsdienstverweigerer Ernst Volkmann.


Am 23. September 2007 brachte die Stadt Bregenz auf Initiative des Vorarlberger Historikers Meinrad Pichler eine Gedenkplatte für den Kriegsdienstverweigerer Ernst Volkmann an die Außenmauer der Bregenzer Galluskirche an. Erstmals gedachte Vorarlberg eines Opfers der NS-Militärjustiz. Gut drei Jahre später, am 14. November 2010, wurde diese Plakette ersetzt durch eine Stele, die dem religiösen Verweiger ein ehrendes Gedenken bereitet. Sie dokumentiert Informationen zur Biografie des 1941 in Brandenburg hingerichteten Katholiken. Für den Schöpfer der Stele, den Vorarlberger Künstler Georg Vith, ist die aus dem Alltag stammende Formensprache des Werkes besonders geeignet, Denkanstöße zu bieten. Bis heute wird Ernst Volkmann übrigens auf dem benachbarten Kriegerdenkmal unter den Gefallenen des Kriegesjahres 1941 aufgeführt.

Foto: Vorarlberger Nachrichten/Stiplovsek


Weiterführende Informationen finden Sie hier »

 

Dornbirn (Vorarlberg)

1993 enthüllten SPÖ, ÖVP und Grüne einen Gedenkstein, der sich den »Opfern der NS-Gewaltherrschaft« widmet und auf dem sich auch der Name des »Wehrkraftzersetzers« Rudolf Bodemann befindet.


Die Bregenzer Johann-August-Malin-Gesellschaft stieß, unterstützt von überlebenden Deserteuren der Wehrmacht, Ende der 1980er Jahre in Dornbirn Diskussionen über ein Denkmal für Opfer des Nationalsozialismus an. Diese Pläne stießen, wie fast überall in Österreich, auf erbitterten Widerstand vor allem bei traditionspflegenden Kameradschaftsbünden und der FPÖ.


Die Auseinandersetzungen in Dornbirn dauerten bis 1993. Dabei ging es zum einen um die Frage der namentlichen Erwähnung von NS-Opfern, zum anderen aber auch darum, welche Opfergruppen auf einem Gedenkstein überhaupt Erwähnung finden sollten: Insbesondere Homosexuelle sowie verurteilte Deserteure und »Wehrkraftzersetzer« waren zunächst auch für die ÖVP nicht tragbar. Zudem sah ein Antrag der Mehrheitsfraktion der Konservativen zunächst ein pauschales Gedenken »für die Ermordeten, die Kriegsgefallenen, die Verwundeten aus Dornbirn und die Toten aus ganz Europa« vor – oder auch ein »Kriegerdenkmal«, das zwischen Deserteuren und gefallenen regulären Soldaten nicht unterscheiden sollte. Nach zähen Auseinandersetzungen und der Einsetzung einer Historikerkommission  beschloss eine Mehrheit von ÖVP, SPÖ und der »Bürgerliste« (Grüne) schließlich einen Gedenkstein, auf dem sich unter anderen auch der Name des wegen »Wehrkraftzersetzung« zum Tode verurteilten Rudolf  Bodemann befindet.

Die Inschrift  lautet: »Friede-Menschenwürde-Toleranz/ Zur Erinnerung an alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Dornbirn, die Opfer der NS-Gewaltherrschaft wurden, die in Konzentrationslagern und Gefängnissen gelitten haben, die ausgegrenzt und verfolgt wurden. Den wehrlosen Opfern der Euthanasie und den Ermordeten von Widerstand und Verfolgung. [Es folgen Namen von Opfern].«


Bis heute führt übrigens das »Online-Projekt Gefallenendenkmäler« im Netz Rudolf Bodemann als gewöhnliches Kriegsopfer.

Foto: Werner Bundschuh/ Johann-August-Malin-Gesellschaft

 

 

Schlaiten (Osttirol)

Auf dem Friedhof des Osttiroler Dorfes befindet sich eine Erinnerungstafel an den in Wien-Kagran erschossenen Deserteur Franz Stolzlechner. Die Umstände seines Todes werden allerdings nicht erwähnt. Der 19-jährige Landwirt Franz Stolzlechner war im Sommer 1943 nach einem Heimaturlaub nicht zu seiner Einheit zurückgekehrt und versteckte sich in den folgenden Monaten gemeinsam mit zwei Kameraden in der Umgebung seines Heimatortes. Im Jänner 1944 wurde Stolzlechner verhaftet und im Juli 1944 auf dem Militärschießplatz Wien-Kagran hingerichtet. Nach Kriegsende ließ Stolzlechners Familie auf dem Friedhof von Schlaiten eine Erinnerungstafel anbringen, aus dem allerdings die näheren Umstände des Todes des Deserteurs nicht hervorgehen.

Foto: Archiv Verein Personenkomitee »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«

 

Bad Eisenkappel/Železna Kapla (Kärnten)

Eisenkappel/Zelezna Kapla: Auf dem Friedhof des Südkärntner Dorfes befindet sich ein Grabdenkmal für den Deserteur und Partisanen Franc Pasterk. 


Der Friedhof der kleinen Marktgemeinde Bad Eisenkappel/Železna Kapla nahe der slowenischen Grenze verweist bis heute auf einen heimatlichen Kriegsschauplatz: Rund 120 Partisanen und Partisaninnen, die in dieser Gegend zwischen 1942 und 1945 im bewaffneten Widerstand gegen das NS-Regime den Tod fanden, sind hier beerdigt. Auf dem Friedhof befindet sich auch das Grab des kärntner-slowenischen Deserteurs und Partisanenkommandanten Franc Pasterk-Lenart.  Das quaderförmige Grabdenkmal aus Marmor, das der Kärntner Partisanenverband hier errichtete, verbindet personenzentriertes und allgemeines Gedenken an die kärntner-slowenischen Opfer und Partisanen. Auf letzteres verweist die übergeordnete slowenischsprachige Inschrift: »MOSTOVI RASTO IZ VSEH ČLOVEŠKIH SRC SE PNO IN V VSA SRCA« (Brücken wachsen aus allen Menschenherzen und verbinden sie miteinander), kombiniert mit der namentlichen Nennung von in Konzentrationslagern ermordeten EisenkapplerInnen und gefallenen PartisanInnen.


Foto: Grabdenkmal am Friedhof von Bad Eisenkappel /Železna Kapla, © Lisa Rettl, 2001

 

 

Franc Pasterk wurde auf dem Grabdenkmal eine eigene Inschrift gewidmet: »SLAVA NARODNEMUHERHOJU FRANCU PASTERK-LENARTU IN TOVARIŠEM« (Ehre dem Volkshelden Franc-Pasterk-Lenart und den Kameraden), verbunden mit einem bronzenem Porträt-Relief am Fuß der Marmorstele. Seit der Überstellung seines Leichnams von seinem Todesort Mežica  (Slowenien) nach Bad Eisenkappel im Jahr 1949 wurden hier vom Kärntner Partisanenverband Gedenkfeiern organisiert. Die besondere Stellung Franc Pasterks im Gedächtnis der Kärntner SlowenInnen wird anhand einer weiteren Gedenktafel deutlich, die der Partisanenverband 1959 am Geburtshaus im nahe gelegenen Lobnig – Ziel alljährlicher gut besuchter Gedenkwanderungen – installierte:  »Das ist das Geburtshaus des Nationalhelden Franc Pasterk-Lenarts, geb. 12. März 1912, gefallen als Kommandant des 1. Kärntner Bataillons am 6. April 1943, und Jurij Pasterks, des Besitzers dieses Hauses, geb. am 12. April 1903, enthauptet in Wien am 29. April 1943. Ehre den Kämpfern für die Freiheit«, steht auf der slowenischsprachigen Gedenktafel zu lesen. 


Die Brüder Pasterk nehmen im Gedächtnis der Kärntner SlowenInnen als zentrale »Begründer« des Kärntner Partisanenkampfes bis heute eine herausragende Stelle ein, wohingegen dem Großteil der deutschsprachigen Mehrheit die kärntner-slowenischen WiderstandskämpferInnen vorrangig als »Verräter« gelten und ihre Gedenkstätten als Ausdruck einer territorialen »Slowenisierung Kärntens« gelesen werden.   

 

Foto: Gedenktafel für die Brüder Jurij und Franc Pasterk in Lobnig/Lobnik, © Lisa Rettl, 2001

 

 

Goldegg im Pongau (Salzburg)

Ein Gedenkstein zwischen Hochleitner-Hof und Böndlsee im Salzburger Pongau erinnert an Simon und Alois Hochleitner; ein Hinweis auf die Fahnenflucht der Brüder und ihre Ermordung durch die SS fehlt allerdings. 2005 schrieb der Linzer Komponist Thomas Doss eine »Symphonie der Hoffnung im Gedenken an die Deserteure von Goldegg.


Die Mutter der beiden Deserteure Simon und Alois Hochleitner ließ kurz nach Kriegsende auf Weg von ihrem Hof zum Böndlsee ein Holzkreuz mit folgender Inschrift aufstellen: »Unvergesslich meine Söhne Simon und Alois Hochleitner, welche hier am 2. Juli 1944 meuchlings erschossen wurden«. Einige Jahrzehnte später ließ die Familie das Kreuz durch einen Gedenkstein ersetzen, auf dem der Hinweis auf die Ermordung der Brüder fehlte. Außerdem bemühte sich die Familie Hochleitner um eine Aufnahme von Simon und Alois Hochleitner in die Liste der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges am örtlichen Friedhof. Offensichtlich hatte die Familie schon bald nach Kriegsende die feindliche Stimmung gegenüber den NS-Opfern zu spüren bekommen.


Ein Denkmal akustischer Art komponierte der Linzer Musiker Thomas Doss im Gedenkjahr 2005 auf Initiative des damaligen Bezirksobmanns der Pongauer Blasmusik, Hans Mayr. Der Komponist nahm die Verfolgung und Ermordung von Deserteuren und ihrer Familien in Goldegg zum Anlass die sogenannte »Symphonie der Hoffnung« schreiben. Das Werk wurde durch Trachtenmusikkapellen aus Goldegg und Taxenbach mit mehr als 120 Musikerinnen und Musikern einstudiert und vor über 3.000 Menschen an verschiedenen Orten der Region aufgeführt. Eine Erinnerungsstätte an die insgesamt 36 verhafteten und/oder ermordeten Deserteure und ihre Helfer aus Goldegg und Umgebung gibt es bis heute nicht.


Foto: Archiv Michael Mooslechner

Salzburg

Denkmalsinitiativen der ungewöhnlichen Art hat der deutsche Aktionskünstler Wolfram Kastner in den Jahren 1996/1997 in Salzburg vorangetrieben.
Kastner und eine Reihe anderer Künstler und Friedensaktivisten verbanden ihre Initiativen für ein Deserteursdenkmal in Salzburg stets mit Protestinitiativen gegen Aufmärsche der »SS-Kameradschaft IV« in Salzburg. Im Jahre 1996 wehrte sich die Stadt gegen den Versuch der der Bürgerliste, ein Totengedenken zu Ehren der 1944 von der SS ermordeten Salzburger Deserteure durchzusetzen. Spontane Aktionen zu deren Ehrung im November 1996 unterband die Bundespolizei, es folgten Strafverfügungen und Straferkenntnisse für die Teilnehmenden. Ein Jahr später meldete Kastner eine »unsichtbare Versammlung« und die »Errichtung eines unsichtbaren Denkmals für die ermordeten Deserteure« an. Beides wurde aus formalen Gründen verboten. Nach einer Kranzniederlegung wiederum gemeinsam mit Vertretern der Bürgerliste ermittelte die Polizei abermals wegen »Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und rücksichtsloser Störung«.

 

St. Radegund (Oberösterreich)

Der katholische Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter, der 1943 in Brandenburg bei Berlin hingerichtet wurde, ist vielleicht das bekannteste Opfer der NS-Militärjustiz überhaupt.


2007, im Jahre des 100. Geburtstages von Franz Jägerstätter, weihte die Gemeinde St. Radegund ein Denkmal für den bekanntesten Sohn des Ortes ein. Der aus Holz geschnitzte Obelisk trägt die Inschrift »Besser die Hände als der Wille gefesselt. Franz Jägerstätter«. Das Denkmal steht auf einem alten Schulgebäude, das heute Sitz des Künstlerhauses »Farbwerk« ist, auf dessen Initiative die Holzskulptur auch entstanden ist.

In- und außerhalb von Jägerstätters Geburtsort gibt es seit den 1960er Jahren Jahren eine Reihe von Gedenkinitiativen, so auch in Deutschland. Um nur einige der vielen Ehrungen und Denkzeichen zu nennen: Seit 1995 befindet sich dauerhaft eine Gedenktafel vor dem Gebäude des ehemaligen Reichskriegsgerichts in Berlin, das Jägerstätter wegen »Wehrkraftzersetzung« zum Tode verurteilt hatte; seit 1993 ehrte ihn die österreichische Post durch Herausgabe einer Sondermarke; im 14. Wiener Stadtbezirk wurde ebenfalls 1993 dem Pazifisten eine Straße gewidmet; 2006 verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig vor dem Jägerstätter-Haus in St. Radegund einen Stolperstein; die Stadt Braunau am Inn benannte im Jahre 2008 einen Park nach Franz Jägerstätter; am Vorabend seines 103. Geburtstages, am 20.Mai 2010, wurde das Studierendenheim der Katholischen Hochschulgemeinde Linz in »Wohnheim für Studierende Franz Jägerstätter« umbenannt; am dem 26. Oktober 2007 sprach Papst Benedikt XVI. Franz Jägerstätter selig. Gleichwohl fanden und finden sich in der katholischen Kirche Österreichs immer wieder Vertreter einer Linie, die soldatischen Gehorsam auch im Kontext des Vernichtungskrieges einfordern.


Die ungewöhnliche Aufmerksamkeit und die große Zahl an Ehrungen ist sicher vor allem darauf zurückzuführen, das Jägerstätter als religiöser Verweigerer insbesondere für den Wertehimmel des bürgerlich-konservativen Lagers wesentlich eher tragbar war und ist als etwa kommunistische Verweigerer oder etwa so genannte Selbstverstümmeler, bei denen christlich-religiöse Motive eine untergeordnete Rolle spielten.

Foto: Wikipedia


Mauthausen (Oberösterreich)

Im Mai 1997 wurde eine Tafel enthüllt, die »den pazifistischen Widerständen in der Wehrmacht gegen Verbrechen und Krieg, Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern, in Erinnerung an zehntausende Opfer der NS-Militärjustiz« gewidmet ist.

In Mauthausen wurde am 17. Mai 1997 eine Tafel enthüllt, die an rund 15.000 hingerichtete Deserteure und Kriegsdienstverweigerer der Wehrmacht erinnert. Initiator der Gedenkveranstaltung war das Europäische Büro für Kriegsdienstverweigerung (EBCO). Bereits am Tag zuvor hatte EBCO in Kooperation mit der Friedenswerkstatt Linz und unter Mitwirkung von Amnesty International, Pax Christi, der Evangelischen Kirche Deutschlands, des Oberösterreichsichen KZ-Verbandes, des Oberösterreichischen Studentenwerkes, Mitgliedern des Europäischen Parlamentes, des Deutschen Bundestages und anderen in Linz eine internationale Zusammenkunft von Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren des Zweiten Weltkrieges und den Armeen des Bürgerkrieges im ehemaligen Jugoslawien veranstaltet. Auf die Gedenktafel ist folgender Text eingraviert: »Den pazifistischen Widerständen in der Wehrmacht gegen Verbrechen und Krieg. Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern, in Erinnerung an zehntausende Opfer der NS-Militärjustiz.«

Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Krems (Niederösterreich)

Der Historiker Robert Streibel stellte im Oktober 2009 im Stadtzentrum insgesamt sechs Informationstafeln auf, die an Kremser Deserteure erinnerten.

Binnen 24 Stunden ließ die Stadtverwaltung diese Tafeln entfernen.
Der Historiker Robert Streibel machte im Oktober 2009 auf das fehlende Gedenken an die Deserteure, »Wehrkraftzersetzer« und andere Opfer der NS-Militärjustiz aufmerksam. Zur Erinnerung an fünf namentlich bekannte Kremser Fahnenflüchtige rief er eine »Deserteurs-Meile« aus und stellte auf dem zentral gelegenen Südtirolerplatz, auf dem 1945 drei Deserteure gehängt worden waren, sowie beim Denkmal für den Wehrmachtsgeneral Karl Eibl sechs Tafeln auf. Am Südtirolerplatz waren bei Kriegsende drei Deserteure gehängt worden.

Streibel schrieb: »Ganz selbstverständlich wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Erinnerung an die Gefallenen begonnen und gepflegt. Nicht nur einfache Soldaten der Deutschen Wehrmacht, sondern auch Generäle werden ganz selbstverständlich geehrt. Dies ist ein Teil unserer Geschichte. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit soll nun auch der Deserteure und Wehrdienstverweigerer gedacht werden. Nach mehr als 60 Jahren eine Selbstverständlichkeit. Ein Initiativkomitee lädt Sie zu dieser Aktion Zivilcourage ein. Wer könnte etwas dagegen haben? Selbstverständlich niemand.«


Die Stadt Krems entfernte am nächsten Tag die Installation und berief sich darauf, dass Streibel die erforderlichen Genehmigungen nicht eingeholt habe. Dennoch brachte Streibel mit seiner Initiative eine Diskussion in Gang, die die Kommunalpolitik unter Druck setzte. Bis heute harrt das Denkmal seiner Verwirklichung.

Foto: Robert Streibel

 

Foto www.braunzonebw.blogsport.de/images/KZ.Buchenwald.Gedenktafel.Deserteure.klein.JPG

Graz (Steiermark)

1988 wurde auf der Ries am Stadtrand von Graz ein Gedenkkreuz für »7 junge Soldaten« eingeweiht, die »wegen Widerstandes hingerichtet« wurden.
Bereits Anfang der 1950er Jahre wurde auf der Ries am Stadtrand von Graz ein Gedenkkreuz errichtet, das an sieben junge Soldaten erinnerte, die sich Anfang April 1945 unerlaubt von ihrer Truppe entfernt hatten und deshalb von einem Militärstandgericht in Graz zum Tode verurteilt wurden. Der Standort wurde gewählt, weil die Behörden die Leichen der Soldaten aus Abschreckungsgründen an der Riesstraße zur Schau gestellt hatten. Unbekannte Personen entfernten dieses Denkmal aber bereits kurze Zeit später. Erst im Gedenkjahr 1988  enthüllten Stadt Graz und Pfarre St. Leonhard ein neues, steinernes Gedenkreuz auf der Ries. Eine Texttafel trägt die Aufschrift:
»Hier wurden / am 4. April 1945 / 7 junge Soldaten / wegen Widerstandes / hingerichtet«
– von der Desertion ist also nicht die Rede.


Seit 1995 organisiert der Musiker und Theaterkünstler Hans Fräulin jeweils am 4. April Gedenkfeiern an diesem Ort.

Foto: Hans Fraeulin, Georg Fuchs

 

Wien/Heldenplatz

Im September 2009 enthüllte der »Arbeitskreis Denkmalpflege« ein temporäres Deserteursdenkmal auf dem Heldenplatz, das aber binnen einer Stunde den Aufbauarbeiten für das Erntedankfest der ÖVP Wien weichen musste.


Auf dem Wiener Heldenplatz hatte Adolf Hitler im Frühjahr 1938 seine Rede anlässlich des »Anschlusses« gehalten, und hier wird nach wie vor den österreichischen »Helden« der beiden Weltkriege gedacht. Das Denkmal bestand aus zwei roten eckigen Klammern: Die Leerstelle sollte das fehlende Gedenken an jene Menschen symbolisieren, die sich dem Dienst in der Wehrmacht entzogen. Nach nur einer Stunde wurde dieses temporäre Deserteursdenkmal aufgrund der Aufbauarbeiten für das Erntedankfest der ÖVP wieder entfernt.


Bereits um das Jahr 1990 hatte die Künstlerin Friedrun Huemer als Mitglied einer Bezirksgruppe der Grünen in Wien ein mobiles Denkmal für die Deserteure erschaffen. Aus der Initiative konnte allerdings kein dauerhaftes Denkmal hervorgehen.

Foto: AK Denkmalpflege

Wien/Kagran

Seit 1984 erinnert ein Gedenkstein im Donaupark daran, dass hier zwischen 1938 und 1945 »zahlreiche österreichische Freiheitskämpfer aus den Reihen der Wehrmacht erschossen« wurden.


Seit 2002 veranstaltet das Personenkomitee »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz« um den 26. Oktober im Donaupark, auf dem Gelände des ehemaligen Militärschießplatzes Kagran, Gedenkfeiern für die hier hingerichteten Opfer der NS-Militärjustiz. Zwischen 1940 und 1945 wurden hier mindestens 129 Menschen erschossen. 1964 wurde der Militärschießplatz geschleift, der genaue Standort der Hinrichtungsstätte ist umstritten. Er befand sich entweder auf dem Gebiet des heutigen 'Sparefroh-Spielplatzes' oder im hinteren Bereich des Sportcenters (Kratochwjlestraße 3/Leonard-Bernstein-Straße). Die Inschrift des bereits am 5. November 1984 Stadt von der Stadt Wien und dem Ministerium für Landesverteidigung gesetzten Gedenksteins lautet: »In den Jahren der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft 1938–1945 wurden in unmittelbarer Nähe zahlreiche österreichische Freiheitskämpfer aus den Reihen der Wehrmacht erschossen. Unter den Opfern, die hier hingerichtet wurden, waren auch Angehörige der Wiener Feuerwehr. Niemals vergessen!« Neben dem Gedenkstein erinnert die Floridsdorfer Kugelfanggasse an die ehemalige Hinrichtungsstätte.

Foto: »Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«

12. Wien/Zentralfriedhof

»In Memoriam – Im Bereich der Gruppe 40 sind mehr als Tausend Frauen und Männer beerdigt, die in der Zeit 1938-1945 von einer unmenschlichen NS-Justiz zum Tode verurteilt und im Wiener Landesgericht oder auf dem Schießplatz Kagran hingerichtet wurden – Sie bleiben unvergessen.«


So lautet der Text auf einem Gedenkstein auf dem Wiener Zentralfriedhof, der am 21. April 2005 vom Bürgermeister der Stadt Wien enthüllt wurde. Initiator war die Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs. Unter den genannten Opfern befinden sich auch weit über 100 Oper der NS-Militärjustiz, ohne dass diese allerdings explizit Erwähnung finden.